SCHÖNE GRÜßE AUS ZUVERSICHT

Ein großer Mann steht in einer U-Bahn. Er hat eine Jacke an, die an einem anderen Ort der Welt aus einer Kunstfaser gewebt und mit den Federn von toten Vögeln gefüllt worden ist. Auf seinem Arm sitzt ein Kind, ich sehe beide von hinten.

Dann sagt eine Frau etwas zu ihm, die schon die ganze Zeit vor ihm sitzt, jetzt sind sie eine Familie. Sie spricht in einer Sprache, die mir fremd ist und der Mann antwortet ihr auch in einer Sprache, die mir fremd ist. Sie versteht ihn, sie sprechen also wohl die gleiche Sprache. Jetzt sind sie eine ausländische Familie. Für mich. Für sich waren sie schon immer eine Familie, und nie eine ausländische. Ich mag sie schon jetzt.

Die U-Bahn senkt sich etwas, wir fahren innerhalb eines Hangs hinunter, den der Fluss vor langer Zeit hier gegraben hat. Da war hier noch keine Stadt, bis heute stehen keine Häuser auf diesem Hang, obwohl die Stadt so viel Platz braucht.

Verglichen mit der Arbeit des Flusses über die Zeit war es nur ein Handgriff für einen Augenblick, in dem dieser Tunnel in den Hang gegraben, mit Stein ausgekleidet, mit Schienen belegt und mit zwei Haltestellen verbunden wurde, aus denen man an jedem Ende über eine große Auswahl von Treppen, Gängen und Ebenen an vier, fünf verschiedenen Öffnungen an die Oberfläche kommt, wo Straßen zwischen Häusern liegen und sich an deren Ecken kreuzen, so dass die Autos, die auf ihnen fahren, immer wieder stehen bleiben müssen, auch weil die Lichter über diesen Kreuzungen von Grün über Gelb auf Rot wechseln.

Die Menschen, die in diesen Autos sitzen, wissen das mit den Lichtern und dem Anhalten aus der Fahrschule und aus Erfahrung. Und sie machen es, weil sie ans Ziel kommen und am Leben bleiben wollen.

Unten fährt die U-Bahn an den Bahnsteig, ich sehe zwei Asiaten aussteigen, ich weiß nicht, aus welchem Land sie kommen könnten, ob sie Geschäftsreisende sind oder Touristen oder ob sie bei ihrer Geburt schon hier waren oder ob sie sich immer noch fragen, was sie hier sollen, oder alles zusammen. Woher will ich wissen, dass es Asiaten sind? Und warum?

Sie steigen aus, ohne es zu erklären, und gehen nach rechts. Andere nach links, ein paar nehmen den Aufzug. Die meisten wissen ganz genau, zu welcher Öffnung sie wollen, wie sie dort hin kommen und wie es dann weiter geht. Die Familie ist verschwunden, ohne dass ich es gemerkt habe.

Als nächstes werden wir unter dem Fluss hindurch fahren. Ist das aufregend!

%d Bloggern gefällt das: