SCHÖNE GRÜßE AUS ZUVERSICHT

Mehr ist kaum in dieser Mittagssuppe. Dicke lila Lauchzwiebeln wurden in Ringe geschnitten und dann unterm Deckel in Butter gedünstet, mit Salz. Einen Schluck Weißwein dazu (es war mal Sekt, aus dem die Kohlensäure wieder raus ist) , und cremig köcheln lassen.

Dann Wasser und was da war – Blumenkohl, Bohnen, Paprika, Tomaten. Ein Bund Thymian komplett, Lorbeer wie immer. Ein bisschen Chili, ein bisschen Sojasauce. Eine Viertelstunde kochen lassen, dass es nicht mehr bissfest und noch nicht weich ist.

In den Teller kamen noch Blätter von Petersilie und Koriander. Das Brot ist Kartoffelbrot vom Penny, der Wein ist Johannisbeersaft vom Edeka. Es hat alles unglaublich gut geschmeckt.

Das Buch „Leben wie im Kloster“ von Robert van de Weyer hat viel bewegt in meinem Alltag. Er zeichnet dort in verschiedenen Lebensbereichen eine Linie zwischen dem Leben im Kloster und seinen Ursprüngen bis in unsere Häuser von heute; eingeteilt nach den drei Klosterregeln „Armut“, „Gehorsam“ und „Keuschheit“, werden je zehn Bereiche behandelt.

So sehr sich die Regeln dem Heute sperren, so vertraut sind die Bereiche darin: „Kochen“ kommt an vierter Stelle unter „Armut“, und es beginnt mit der Beschreibung einer Suppe, die ständig auf einer Flamme in einem irischen Kloster des 5. Jahrhunderts vor sich hin kochte. Früh morgens angesetzt, abends gegessen, und zwischendurch jedem Fremden angeboten, „ganz gleich zu welcher Tages- und Nachtzeit er an die Klosterpforte klopfte.“

„Mehr noch“, steht da weiter, „die Mönche und Nonnen brauchten nur ein Minimum an Zeit für die Zubereitung des Essens. Jeden Morgen mussten sie lediglich den Kessel mit neuen Hülsenfrüchten, Körnern, Gemüse und Wasser auffüllen, so dass ihnen ausgiebig Zeit blieb, sich um die Kranken und Notleidenden zu kümmern.“

Dieser Gedanke wärmt mich bei jedem Lesen. Eine Speise wie ein Lebewesen, das wächst und darauf wartet, gut zu tun. Von erfahrenen Menschen mit dem Nötigen versorgt, der Rest kommt von selbst, so wie die Notleidenden an die Klosterpforte. Ich denke an den caffé sospeso in Neapel: Wer dort einen Kaffee in den alten Bars bestellt, kann einen zweiten bezahlen, der dann im Laufe des Tages jemandem serviert wird, der Kaffee braucht und kein Geld hat.

Das Kapitel geht dann weiter, es folgt eine Anweisung, wie sich so eine Suppe kochen lässt, Gedanken über die Nahrungsproduktion, das gemeinsame Essen und die Demut, dafür mit einem Tischgebet zu danken. Mir fällt der Spruch ein, der auf einem der Geschirrtücher steht: „Fünf sind geladen, zehn sind gekommen, gieß Wasser zur Suppe, heiß alle willkommen.“ Und dann Kaffee für alle.

%d Bloggern gefällt das: