SCHÖNE GRÜßE AUS ZUVERSICHT

Am Wochenende hat mich eine gute Freundin gefragt, ob ich mir vorstellen könne, noch einmal ganz wegzuziehen. Immerhin habe ich für viele Jahre an vielen Plätzen gewohnt. Als ich beim letzten Jahrtausendwechsel durchzählte – da wohnten wir gerade in Sydney – kam ich auf eine neue Adresse alle zwei Jahre im Schnitt; auch meine Eltern zogen oft um.

Nun wohne ich seit zwölf Jahren im gleichen Mietshaus, erst im dritten Stock, dann im Erdgeschoss, nun seit gut fünf Jahren unterm Dach. Der Blick von dort ist wunderbar weit, ich kann drei Kirchen sehen und hören, ein Fußballstadion, Sonnenaufgänge und Güterzüge, Wolkenkino und Krähenflüge.

Wir sind neun “Parteien” im Haus, die ich alle kenne, manche sind Freunde. Im Sommer steht oft ein Tisch bei den Mülltonnen, wir versuchen ab und zu Fußball zu spielen, zum Schwimmen in den Fluss am Ende der Straße gehe ich alleine. Einige Jahre lang hatten wir auch ein Straßenfest. Unsere Stadt hat eineinhalb Millionen Einwohner.

Nein, sagte ich zu der guten Freundin, in unserer Stadt werde ich nicht mehr umziehen. Und im Moment könnte es einfach so bleiben, ich denke, ich hab genug gesehen in meinem Leben, damit es so bleiben kann.

Dann sitze ich beim Kaffee am offenen Küchenfenster, es regnet ein bisschen herein. Auf dem Fensterbrett liegt eine Polaroid-Imitationskarte, die ein Motiv vom polaroid-inspirierten Instagram zeigt und bei einem Zeitschriftenladen im Ansichtskartenständer steckte. Sie hat mir so gut gefallen, dass ich sie mitgenommen und seitdem auf dem Fensterbrett liegen habe. Ein kleines gelbes Häuschen am Meer mit Gleisanschluss, da könnte ich tatsächlich für eine Weile einziehen. Darum habe ich ein Foto davon gemacht und es der Freundin als Ansichtskarte geschickt. Und sie hat druntergeschrieben:

“sowas ist mein ewiger traum… fahrn wir dann kolonne?”

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